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Warum brauchen wir eine Integrierte Medizin?
Behandlungen auf der Basis des naturwissenschaftlichen Menschenbildes führen oft zu großen Erfolgen, besonders bei akuten Krankheiten. Dennoch ist das Paradigma der "Schulmedizin" als Fundament der Ausübung der Heilkunde unzureichend. Für komplexe Behandlungssituationen, wie sie z.B. bei vielen chronischen Erkrankungen immer wieder auftreten, wird ein umfassenderes Verständnis für die körperlichen, mentalen, seelischen und sozialen Reaktionen des Patienten und deren Wechselwirkungen benötigt. Die naturwissenschaftliche Medizin ignoriert aber nicht nur die Person des Kranken, sondern auch das "bei weitem am häufigsten verwendete Medikament - die Droge Arzt" (Michael Balint), für welches es bislang keine ausreichende Pharmakologie und Toxikologie gibt. Die Akademie für Integrierte Medizin tritt deshalb für einen Paradigmenwechsel ein und will "den Dualismus einer Medizin für seelenlose Körper und einer Medizin für körperlose Seelen" (Thure von Uexküll) überwinden. Integrierte Medizin nutzt die Errungenschaften der Schulmedizin, sieht zugleich aber den Patienten als Interpreten seiner Umwelt und versucht, ihn in seiner nur ihm gehörigen, individuellen Wirklichkeit zu verstehen, unter Berücksichtigung des Beobachterproblems.
Von der neuen Sichtweise profitieren gerade Kranke mit schwierigen Erkrankungs- und Behandlungssituationen. Passungsverluste zwischen Patient und Umwelt können überwunden werden, Heilung und der Umgang mit einer chronischen Krankheit werden gefördert. Die Beziehung zwischen Patient und Arzt gewinnt an Tiefe und Lebendigkeit. Die Krankenbehandlung kann so wieder zu einem erfüllenden Beruf werden.
Was will die Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin?
Seit ihrer Gründung 1992 wird in der Akademie für Integrierte Medizin an der Entwicklung der wissenschaftlichen Grundlagen einer Medizin , die die individuelle Wirklichkeit der Patienten in den Mittelpunkt stellt, gearbeitet. Ein enger Bezug zwischen täglicher praktischer Tätigkeit, wissenschaftstheoretischen Grundfragen und der Lehre wurde von Anfang an gefordert und gepflegt. Zu den inzwischen über 170 Mitgliedern gehören sowohl "Theoretiker" als auch "Praktiker" aus allen Fachgebieten und Versorgungsbereichen der Medizin: Ärzte überwiegen, andere Berufsgruppen sind willkommen, z.B. sind Psychologen, Linguisten, Körpertherapeuten bereits vertreten. Die Spannbreite der Erfahrungsfelder reicht vom Studenten über Psychotherapeuten, Haus- und Fachärzten in eigener Praxis, Ärzten und Psychologen in der Rehabilitation bis zum Chefarzt und Hochschullehrer. Die Diskussionen bei den Werkstatttreffen und auf den Jahrestagungen umfassen ein weites Spektrum von Themen, z.B.: - das von Thure von Uexküll erarbeitete Modell der Integrierten Medizin auf der Basis von Biosemiotik, Konstruktivismus und Systemtheorie
- Entwicklung der Methode der "Reflektierten Kasuistik" als Instrument, diagnostische und therapeutische Aspekte besser zu verstehen - aktuelle Entwicklungen in der Neurobiologie und der Psychotherapieforschung - Versorgungsmodelle für Praxis und Klinik in der Akutmedizin und der Rehabilitation - die Aus- und Weiterbildung, z.B. im Rahmen der Reformstudiengänge und der psychosomatischenGrundversorgung , in der viele AIM-Mitglieder aktiv sind - "Mikroanalysen" von Arzt-Patient-Kontakten und hausärztlichen Arbeitstagen - gesundheitspolitische Themen, z.B. eine kritischen Auseinandersetzung mit der IgeL-Medizin
Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage, wie eine Krankenbehandlung im Sinne der Integrierten Medizin aussehen sollte.
Wie arbeitet die Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin?
Modellwerkstatt
Einmal jährlich veranstalten wir eine akademie-interne Modellwerkstatt. Sie dient der Auseinandersetzung mit den oben genannten Fragestellungen, insbesondere auch der Weiterentwicklung unseres theoretischen Rahmens und der Reflektierten Kasuistik.
Jahrestagungen
Ebenfalls einmal jährlich widmet sich eine Jahrestagung einem Thema aus dem Spektrum der Integrierten Medizin. Die Tagungen beginnen in der Regel mit einem klinischen Forum, das sich interdisziplinär mit Arzt-Patienten-Kontakten (z. T. in Form von Mikroszenen) beschäftigt, z. B. anhand von Video- oder Sprachanalysen.
Vorträge und Diskussionen der letzten Jahrestagungen sind auf CD erhältlich.
Regionalgruppen
In verschiedenen Teilen Deutschlands gibt es Regionalgruppen, die sich kontinuierlich austauschen und mit den Themen der AIM beschäftigen (Kontaktadressen).
Kleine Bibliothek der AIM
Jedes neue Mitglied der AIM erhält diese Basistexte zur Integrierten Medizin, die kontinuierlich ergänzt werden.
AIM-Telegramm
Das Telegramm informiert ein- bis zwei Mal jährlich alle Mitglieder über neue Entwicklungen, die Planung von Modellwerkstätten und Jahrestagungen, die Arbeit in den Regionalgruppen und bietet allen Mitgliedern ein Diskussionsforum.
Schriftenreihe der AIM
Die Bücher aus dieser Schriftenreihe im Schattauer-Verlag stammen von Autoren, die Mitglieder der AIM sind oder ihr nahe stehen. Alle Bücher sind zum Vorzugspreis für Mitglieder erhältlich. |